WEIHNACHTSMARKT – Eine recht gute Bilanz mit kleinen Einschränkungen

Von unserer Redakteurin SYLKE KAUFHOLD Dessau/MZ. Im großen und ganzen sei er zufrieden mit dem Adventsmarkt, schätzte Peter Wagner, Sachgebietsleiter Marktwesen, in einem MZ-Gespräch ein. Am Ablauf und den technischen Voraussetzungen gebe es bis auf wenige kleine Ausnahmen nichts zu kritisieren. Der Auf- und Abbau lag erstmals in den Händen der DABS . “Das klappte besser als im Vorjahr”, so Wagner. 104 Verkaufs- und Schaustellergeschäfte boten in der Vorweihnachtszeit auf dem Marktplatz ihre Waren und Dienstleistungen an. Vor allem weihnachtstypische Waren habe man anbieten wollen, so der Sachgebietsleiter aus der Stadtverwaltung. Das sei in einem bestimmten Umfang auch gelungen, aber noch nicht ausreichend. “Die Geschäfte, die da waren, zum Beispiel mit Lauschaer Glaswaren, Thüringer Festschmuck, Schnitzereien aus dem Erzgebirge, Dresdner Stollen oder Keramik, waren gut und wurden auch recht gut von den Besuchern angenommen.” Bemüht waren die Organisatoren, auch Dessauer Firmen und vor allem Kunsthandwerker auf den Markt zu kriegen. Einige waren gekommen, so der Glasbläser Detlef Schumann, eine Seidenmalerin, die Hutmacherin Anneliese Voigtländer, Hans-Jörg Rammelt mit seinen Zinnfiguren, Zuckerbäcker Flemming. “Allerdings waren die meisten nur für wenige oder einen Tag da, meist an den Wochenenden, so daß in der Woche das Dessauer Handwerk so gut wie nicht vertreten war. In diesem Jahr wollen wir uns deshalb verstärkt bemühen, noch mehr Handwerker und Dessauer Firmen zu gewinnen.”Harsche Kritik gab es bereits während des Marktgeschehens an den Textilhändlern, die sich an der Scheibe Nord aufgestellt hatten. Sie mußten in der letzten Woche auf Anweisung des Oberbürgermeisters ihre Stände abbauen. “Wir überlegen nun, ob wir in diesem Jahr überhaupt wieder Großtextilien wie Obertrikotagen auf dem Adventsmarkt zulassen”, erklärt Peter Wagner. Eigentlich hätten sie ja auf einem Weihnachtsmarkt nichts zu suchen, und wenn, dann wolle man sich auf die ansässigen Händler und Anlieger beschränken. Enttäuscht zeigte sich der Sachgebietsleiter vom Engagement der Einzelhändler in der Zerbster Straße. Lediglich zwischen Böhmischer Straße und Rabestraße seien die Händler ein bißchen nach draußen gegangen und haben sich mit ihrer Dekoration dem Weihnachtsmarkt vor ihrer Haustür angepaßt. “Auf der anderen Straßenseite war absolute Funkstille”, bemängelt Wagner. Auch in diesem Punkt möchte er 1997 Veränderungen schaffen. Er hofft dabei auf die Unterstützung der City Werbegemeinschaft, die sich im vorigen Jahr gegründet hat.Kritik gab es teilweise auch am Kulturprogramm. Sowohl Händler als auch Besucher fanden Verbesserungswürdiges. Peter Wagner waren es zu wenige Mitwirkende, und er fand das Programm teilweise nicht publikumswirksam genug. Ihm fehlten zum Beispiel Akteure aus den Schulen, den Kindereinrichtungen oder Vereinen. Lediglich zwei Dessauer Chöre, der Madrigalchor und der Folklorechor, gestalteten das Programm mit.

Kein Schulchor. “Vor allem in der Woche fehlten niveauvolle Darbietungen”, schätzt er ein. Auch in der Gestaltung der Bühne sieht der Marktleiter Reserven. “Das war nicht so toll”.Die Anzahl der Besucher war im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Die Zahl der Nichtkäufer aber war prozentual höher als 1995. Die gesunkene Kaufkraft wurde denn auch von vielen Händlern beklagt. Der Umsatz stimmte nur bei einigen von ihnen. Hatte man dann noch einen ungünstigen Standort erwischt, wie zum Beispiel an der Seite der Bibliothek, war die Händlerbilanz eher schlecht. In einer Händlerumfrage der Marktleitung äußerten sich in den zur Zeit vorliegenden 18 Rückantworten acht zufrieden und sieben nicht zufrieden mit Standplatz, Umsatz, Kulturprogramm. Zwei der 18 hat der Adventsmarkt insgesamt sehr gut gefallen, neun gut, vier weniger gut, einem gar nicht. Sechzehn von ihnen würden wieder mitmachen.Aufgrund der Kritik einiger Händler überlegt man in der Stadtverwaltung nun, den Aufbau des Marktes zu verändern. “Am besten wäre ja eine lange gerade Straße, wo der Besucher nur links und rechts sehen muß”, kennt Peter Wagner die Seh- und Gehgewohnheiten der Dessauer

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 09.01.1997