Ein letztes Abenteuer an der Trasse

15 511 Meter Rohrleitung, 554 Betonstützen und vieles andere zu beseitigen – 100 ABM-Kräfte über ein Jahr beschäft

Rückbau Ein letztes Abenteuer an der Trasse 15 511 Meter Rohrleitung, 554 Betonstützen und vieles andere zu beseitigen – 100 AB-Kräfte über ein Jahr beschäft Von unserem Redakteur HANS-PETER BERTH Dessau/MZ. Seit rund drei Jahrzehnten war sie eine Lebensader für die Stadt Dessau. Andererseits ist die Fernheiztrasse nie eine Zierde gewesen. Im vorigen September wurde sie durch den Bau eines stadteigenen Kraftwerkes überflüssig. Jetzt wird die von Vockerode kommende Trasse im Auftrage der Dessauer Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft (DVV) von AB-Kräften der Dessauer Arbeits-, Beschäftigungs- und Strukturförderungsgesellschaft GmbH (DABS) abgerissen. Maßnahmeleiter Hans-Joachim Krings informierte auf der vorgestrigen Sitzung des Walderseer Ortschaftsrates über das Vorhaben. 140 Kilo pro Meter Die in diesem Monat angelaufenen Arbeiten werden sich bis in den August nächsten Jahres hinziehen. Sie umfassen das lange Stück von der Grundstücksgrenze des Kraftwerkes Vockerode bis etwa 150 Meter hinter der Mulde an der Wörlitzer Eisenbahnbrücke. Rund 100 DABS-Mitarbeiter werden eingesetzt. Arbeitsetappen sind das Abisolieren der Rohre – begonnen wurde am Walderseer Rotdornweg, weil dort ein Eigenheimkomplex entsteht -, der Rohrrückbau, Fundamentrückbau und die abschließende Renaturierung. Die gesamte Strecke ist in 14 Netzabschnitte unterteilt, je sieben von ihnen fallen in den Verantwortungsbereich Dessau und Anhalt-Zerbst. 15 511 Meter Rohrleitungen mit einem Durchmesser von 600 Millimetern sind zurückzubauen. Allein ein Meter Leitung wiegt rund 140 Kilo. Weiterhin sind zu beseitigen: 554 Betonstützen und -sockel, 51 Festpunkte, sechs Hauptstraßenüberquerungen, elf Überquerungen über unbefestigte Straßen, elf Bauwerke, die Anlagen über Autobahn, Kapengraben und Mulde. Zu verhandeln ist bei diesem Vorhaben mit 67 Eigentümern. “Nicht jeder nimmt es so hin, wie es gesagt wird, sondern hat Forderungen und sonstwas”, weiß der DABS-Maßnahmeleiter.Erschwerend, hob Krings hervor, ist, daß das gesamte Arbeitsfeld im Biosphärenreservat liegt. Bei der Festlegung des Ablaufplanes mußte berücksichtigt werden, daß im Grünbereich nur in der Zeit vom 1. September bis zum 28. Februar gewirkt werden kann. Dies setzte Prioritäten. Daraus ergibt sich, daß auf den Privatgrundstücken an der Feuerherdtstraße nur von April bis zum Juni gearbeitet werden kann, wofür Krings auf der Ortsratssitzung um Verständnis bat. Erschwerend kommt weiterhin hinzu, daß umfangreiche Brandschutzauflagen einzuhalten sind und daß die Trasse zu großen Teilen völlig zugewachsen ist. Ein Drittel der Rohrleitungen ist ganz schwer für technisches Gerät erreichbar. Oder eben nur mit hohem finanziellen Aufwand. Doch Geld ist knapp, so daß ein Großteil der Betonstützen und anderer Festpunkte wahrscheinlich gesprengt werden müssen. Wo es machbar ist, werden aber Betonstraßen verlegt, um die Umwelt nicht allzu sehr zu belasten, versicherte Krings. Bis zu zwölf Meter tief Die Fundamente bleiben ab 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche im Boden. Sie stecken bis zu zwölf Meter tief. Zurückgebaut werden die technischen Stationen. Die unterirdischen Leitungen, wie sie in der Feuerherdtstraße bestehen, allerdings nicht. Sie bleiben in ihren Betontrögen. Die Enden werden aber zugemauert oder zugeschweißt. Der Bereich Rotdornweg wird wegen der bereits erwähnten Bebauung vorgezogen, die Arbeiten dort sollen bis Mitte September komplett abgeschlossen sein. In der Feuerherdtstraße können erst im Januar und Februar die Leitungen abisoliert werden, in der Zeitspanne April bis Ende Juni wird der Fundamentrückbau erfolgen. Vom östlichen Ortseingang bis zur Feuerherdtstraße soll vom April bis Mitte Juni die komplette Maßnahme durchgezogen werden. Krings informierte, daß jedes Privatgrundstück vor und nach dem Abriß fotografiert wird, um Beweise bei Schadenersatzforderungen zu haben. Vorgesehen ist, eine Art Sorgentelefon in der DABS einzurichten. In Waldersee und in Vockerode soll ein zentraler Verschrottungsplatz eingerichtet werden, um die Lärm- und Schmutzbelästigung, aber auch die Brandschutzgefahr an der Trasse zu mindern. Gesucht wird auch noch ein zentraler Standort für die Baufahrzeuge.

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Quelle:

Mitteldeutsche Zeitung vom 30.06.1995 Seite 12